Musikverein Kurkapelle Schonach e.V.Von der Gründung im Jahre 1839 bis heute Ein Dokument in Form eines „Mußig-Vertrages“ vom 1. Juli 1839 belegt, dass sich vor 150 Jahren 16 Männer mit dem Musiklehrer Dorner an der Spitze zusammenschlossen, um die Kunst der „Mußig“ zu verbreiten. In diesem Vertrag liegt damit der Ursprung der Geschichte des Musikverein-Kurkapelle Schonach. Mit ihrer Unterschrift bekundeten die 16 als Gründer des Musikvereins zu bezeichnenden Musiker nicht nur das Ziel des gemeinsamen Musizierens, sondern auch den Willen, „dass unter den Musikern Einigkeit und Eintracht haust“. Aus dem Vertragsinhalt wird deutlich, mit welchem Ernst und mit welcher Begeisterung jene 16 Musiker ans Werk gingen. Leider sind über die weitere Entwicklung dieser Musikkapelle keinerlei Aufzeichnungen vorhanden. Es ist denkbar, dass diese „Mußig“ die politischen Unruhen des Jahres 1848, in deren Zuge insbesondere viele aus den Bürgermilizen hervorgegangene Musikkapellen aufgelöst wurden, nicht überstand. Diese Lücke in der Vereinsgeschichte erstreckt sich über vier Jahrzehnte bis zum Jahre 1889. Von dort datiert die älteste im Besitz des Musikvereins befindliche Fotografie einiger Musiker mit ihren Instrumenten. Unter den fünf abgebildeten Musikern ist auch Josef Dold, der später 37 Jahre lang als Dirigent der Kapelle tätig war. Es ist davon auszugehen, dass diese Männer das Erbe der im Jahre 1839 gegründeten Musikkapelle antraten. Ab dem Jahre 1885 wurden alle wichtigen Ereignisse und Veranstaltungen in einem Protokollbuch des Vereins festgehalten. Es ist für den Verein von bedeutendem Wert, dass diese Protokollbücher bis heute komplett erhalten sind. Schon die erste Eintragung im Protokollbuch aus dem Jahre 1885 berichtet von einem interessanten Beschluss der Generalversammlung, nach dem „sämtliche neu eintretenden aktiven Mitglieder ein ärztliches Zeugnis nötig haben, ob sie gesund sind auf der Brust“. Vermutlich lag der Grund für diesen Beschluss in der Furcht vor der Übertragung von Krankheitserregern, denn in den Jahren 1870/1871 forderte eine Pockenepidemie und 1877 eine Scharlachepidemie in Schonach viele Todesopfer. Aus den weiteren Eintragungen geht auch die Besetzung der ersten gewählten Vorstandschaft des Vereins hervor. Das Amt des 1. Vorstandes wurde damals Josef Grieshaber übertragen. Ihm standen Augustin Scherer als Kassier und Josef Hettich als Schriftführer zur Seite. In den folgenden acht Jahren war auf den wichtigsten Führungspositionen des Vereins ein häufiger Wechsel zu verzeichnen. So wurde Dirigent Hodapp 1885 von August Scherer abgelöst, der die musikalische Leitung der Kapelle bis 1888 übernahm. In der Generalversammlung des Jahres 1888 wurde Josef Grieshaber durch Lehrer Albert Eisen im Amt des 1. Vorstandes ersetzt, das dieser bis 1893 ausübte. Grieshaber blieb aber in der Vorstandschaft und übernahm das Amt des Kassiers. Bis zur Wahl von Albert Eisen zum Vorstand hatte der Verein keine passiven Mitglieder. Die Musiker mussten ihre Auslagen selbst tragen. Wurde einem Musiker ein dem Verein gehörendes Instrument überlassen, musste dieser eine Kaution hinterlegen. Zur Aufbesserung der Vereinsfinanzen wurde deshalb in den Jahren 1887/1888 von Haus zu Haus um passive Mitglieder für den Musikverein geworben. In dieser Zeit fiel ein weiterer Wechsel der musikalischen Leitung der Kapelle. Anton Hodapp übergab den Dirigentenstab nach dreijähriger Tätigkeit an Josef Hettich. Dessen Nachfolger wiederum wurde im Jahre 1892 Josef Dold, der sein Amt als Dirigent über die überragende Dauer von 37 Jahren bis 1929 ausübte. Mit ihm begann eine neue Ära und ein musikalischer Höhenflug des Musikvereins Schonach. Noch heute zeugen viele Urkunden und Pokale von den hervorragenden Leistungen der Musikkapelle bei verschiedenen Wertungsspielen. Bei den Musikfesten in den Jahren 1901 in Villingen, 1903 in Tuttlingen, 1905 in Kollnau und Villingen, 1909 in Ottenhöfen und 1913 in Achern erreichte die Kapelle jeweils erste Preise. Diese Erfolge über viele Jahre hinweg waren zu einem wesentlichen Teil den ausgezeichneten Fähigkeiten des Dirigenten Josef Dold, genannt „Musik-Dold“, zuzuschreiben. Für Lehrer Albert Eisen wurde 1893 nach 5jähriger Amtszeit mit Salomon Hettich ein neuer 1. Vorstand gewählt. 2. Vorstand wurde zum gleichen Zeitpunkt Altschloßbergwirt Augustin Schwer, der jedoch schon knapp zwei Jahre später in das Amt des 1. Vorstandes aufstieg. Dieses übte er dann 24 Jahre lang aus. Damit trat neben der Dirigentenstelle auch auf dem Vorstandsposten eine wohltuende Kontinuität in der Vereinsführung ein. Altschloßbergwirt Schwer führte den Verein in der gesamten bekannten Vereinsgeschichte am längsten und erwarb sich damit große Verdienste. Einen ersten Hinweis für die Veranstaltung von Kurkonzerten durch den Musikverein bietet der Beschluss aus dem Jahre 1891 „dass die Musik während der Kurzeit im Pavillon an Sonntagnachmittagen zu spielen hat“. Aus diesem Beschluss geht auch die frühe Existenz eines Musik-Pavillons hervor. Eine Eintragung im Protokollbuch deutet darauf hin, dass dieser Pavillon, der auch „Musik-Häuschen“ genannt wurde, bereits 1889 östlich neben dem alten Kindergarten erbaut wurde. Er erwies sich aber für Konzerte als nicht besonders geeignet und wurde entsprechend wenig benutzt. Schließlich wurde er 1919 wegen Baufälligkeit für 35 Mark verkauft. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die meisten aktiven Musiker zum Heeresdienst eingezogen. Mit der musikalischen Begleitung der Erstkommunikanten am Weißen Sonntag 1915 musste die Kapelle ihre Aktivitäten für die weitere Dauer des Krieges einstellen. Im Januar 1918 ergriff Pfarrer Fichter, der schon vor dem Krieg ein großer Freund der Musikkapelle war die Initiative und lud die nicht zum Kriegsdienst eingezogenen, sowie die wegen Verwundung aus dem Heeresdienst entlassenen Musiker zu einer Besprechung ins Schloßbergstüble ein. Die Erschienenen beschlossen, „die Musik“ wieder neu ins Leben zu rufen. Als Probelokal stellte Pfarrer Fichter vorübergehend einen Saal im Jugendheim zur Verfügung. Dirigent Josef Dold übernahm wieder die Musikalische Leitung. Nach Beendigung des Krieges drängten die von Pfarrer Fichter noch einmal aktivierten alten Musiker auf eine Verjüngung der Kapelle. Nach einem Aufruf meldeten sich zahlreiche junge Männer zur Kapelle an und der fällige Generationswechsel konnte somit vonstatten gehen. Am Weißen Sonntag 1919 wurde im Rebstock ein Konzert veranstaltet, das den Auftakt einer intensiven Werbung für den Beitritt passiver Mitglieder darstellte. Schon nach wenigen Wochen konnte sich der Verein über etwa 160 beigetretene Mitglieder freuen, die ihm wieder eine ausreichende finanzielle Basis schufen. Die gleiche Veranstaltung wurde auch dazu genutzt, für den wiederbelebten Verein eine neue Vorstandschaft zu wählen. Erster Vorstand wurde Josef Scherer, das Amt des 2. Vorstandes übernahm Donat Kammerer. Zusammen mit dem inzwischen altbewährten Dirigenten Josef Dold verstanden sie es, Verein und Kapelle nicht nur über die schwierigen Nachkriegsjahre hinwegzubringen, sondern mit einer jungen Kapelle auch einen erstaunlichen musikalischen Leistungsstand zu präsentieren. Mit gesundem Selbstbewusstsein gestärkt, bewarb sich der Musikverein Schonach im Jahre 1923 für die Ausrichtung des Musikertages des Bezirks I Abteilung Baden des Süddeutschen Musikerverbandes. Damit verbunden sollte das eigene 40jährige Stiftungsfest gefeiert werden. Oberlehrer Hammer hatte sich bereiterklärt, für das am 2. und 3. Juni 1923 geplante Fest die Festpräsidentschaft zu übernehmen. In einer vorbereitenden Bezirksvertretersitzung meinte der Bezirksvorsitzende, Kapellmeister Gutterer aus Triberg, „dass es kaum einen Ort im Schwarzwald gäbe, der es besser verstünde, Feste zu feiern“. Der Auftakt des Festes fand im Schloßbergsaal mit vielen Reden, Ehrungen und feierlichen Konzertstücken statt. Das bescheidene Barvermögen des Vereins, darunter auch ein Teil des Erlöses aus dem 40jährigen Stiftungsfest, wurde durch die Inflation im Jahre 1923 aufgezehrt. In der Generalversammlung, im Februar 1924, musste Kassier Robert Kuner deshalb seinen Kassenbericht auf die Feststellung beschränken, dass lediglich noch einige wertlose Papiernoten vorhanden seien und der Verein wieder bei null anfangen müsse. Wesentlich erfreulicher war dagegen das musikalische Leistungsvermögen der Kapelle. Beim Wertungsspiel des Gaumusikfestes in Singen im Juni 1924 errang die Kapelle einen 1a Preis mit Diplom und Ehrenpreis. Mit bewundernswerter Energie machten sich die Musiker im gleichen Jahr daran, dem Verein die dringend benötigten Vereinsfinanzen wieder zu beschaffen. Als Einnahmequelle sollten aber nicht, wie man bei einem Musikverein annehmen könnte, Konzerte dienen, sondern es wurde ein größeres Theaterstück einstudiert und vorgeführt. Der Erfolg war überwältigend, sodass in Schonach drei Aufführungen und eine weitere in Triberg einen beachtlichen Reinerlös erbrachten. Damit konnte neben der Finanzierung der dringend benötigten Instrumente auch der Grundstock für die Anschaffung der ersten Uniformen gelegt werden. In dieser Zeit bestanden übrigens zwischen den Kapellen aus Triberg und Schonach besonders freundschaftliche Beziehungen, was sich in vielen gegenseitigen Freundschaftsbesuchen ausdrückte. Daher war es auch selbstverständlich, am Gau-Musikfest, das 1925 in Triberg stattfand, teilzunehmen. Beim Wertungsspiel erzielte der Musikverein Schonach mit der Tagesbestleistung in der Oberstufe den bis zum damaligen Zeitpunkt wohl größten musikalischen Erfolg der Vereinsgeschichte. Als Vater dieses Erfolges ist auch hier wieder Dirigent Josef Dold zu nennen, für den dieses Ergebnis sicherlich auch ein persönlicher Höhepunkt seiner Stabführung im Musikverein darstellte. In der Generalversammlung am 4. April 1926 wurde eine neue Vereinssatzung beschlossen, die dann 50 Jahre lang in Kraft war. Das zeugt von der Gründlichkeit und Sachkunde, mit denen die Verfasser die Satzungsregelungen ausgearbeitet hatten. Am 1. Januar 1927 wurde der Verein in das Vereinsregister beim badischen Amtsgericht in Triberg eingetragen. 1927 wurde in Schonach ein Kur- und Verkehrsverein gegründet, der auch die Abhaltung von Kurkonzerten zu organisieren und zu finanzieren hatte. In diesem Jahr fanden dann auch die ersten auf die Unterhaltung von Kurgästen zielenden Kurkonzerte auf dem Platz vor der Kegelbahn des Jugendheimes statt. Im gleichen Jahr beschloss der Verein eine bemerkenswerte soziale Fürsorgeleistung. Danach erhielt jeder Musiker im Krankheitsfalle auf die Dauer von vier Wochen aus der Musikerkasse eine Unterstützung von 5,- Mark pro Krankheitswoche. Nach zehnjähriger Amtszeit erklärten sowohl der 1. Vorsitzende Josef Scherer als auch der 2. Vorsitzende Donat Kammerer, dass sie bei den in der Generalversammlung des Jahres 1928 anstehenden Wahlen nicht mehr für ihre Ämter kandidieren wollten. Der gleichzeitige Verlust dieser beiden bewährten und beliebten Führungspersönlichkeiten hätte den Verein vor große Probleme gestellt. Josef Scherer ließ sich deshalb überreden, wenigstens als 2. Vorsitzender weiter mitzuarbeiten. Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Gabriel Neugart gewählt. Die aufopfernde Arbeit des ausgeschiedenen 2. Vorsitzenden Donat Kammerer wurde durch die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden gewürdigt. Die gleiche Ehrung wurde zwei Jahre später auch Josef Scherer zuteil, nach dem er auch das Amt des 2. Vorsitzenden aufgegeben hatte. Im Juli 1929 legte Dirigent Josef Dold nach 37jähriger Tätigkeit sein Amt nieder. Das Ende er Ära Dold traf den Musikverein unvorbereitet. Ein Nachfolger aus den Reihen der aktiven Musiker stand zunächst nicht zur Verfügung. Deshalb musste der zweite Dirigent, Johann Wehrle, vorläufig die Leitung der Kapelle übernehmen. Im September bewarb sich dann ein Berufsmusiker namens Bruno Pelz um die vakante Dirigentenstelle. Da kein anderer Bewerber zur Verfügung stand, hatten die Musiker kaum eine andere Möglichkeit als die Übertragung der Dirigentenstelle an Herrn Pelz. Seine Tätigkeit war allerdings nur von kurzer Dauer. Schon im April 1930 gab er den Dirigentenstab wieder ab. In diesem Zusammenhang trag auch der 1. Vorsitzende Gabriel Neugart nach nur zweijähriger Amtszeit zurück. Der Verein hatte dadurch eine äußerst schwierige Phase zu überwinden. Zu einer außerordentlichen Generalversammlung, am 4. Mai 1930, erschienen der ebenfalls zurückgetretene Schriftführer ohne Uniform und hatte sämtliche Vereinsakten in einer vollgepfropften Aktentasche mitgebracht. Er nahm sie am Ende der Versammlung aber wieder mit nach Hause. Die Liebe zur Musik und die Vermittlung durch den Ehrenvorsitzdenden Donat Kammerer ließen ihn von seinem Rücktrittsentschluss Abstand nehmen. Die im Verein ausgebrochenen Konflikte konnten in dieser Versammlung zwar nicht beendet werden, aber schon wenige Tage später wurde mit der Wahl des aktiven Musikers Erwin Schwer zum neuen Dirigenten ein bedeutender Schritt in diese Richtung getan. Einige Aussprachen förderten den Willen zur Einigkeit und Geschlossenheit im Verein. Der Friede konnte wieder hergestellt werden. Mit der Wahl von Gustav Tritschler zum neuen 1. Vorsitzenden war auch die Vorstandschaft wieder komplett, sodass sich der Verein auf seine eigentlichen Ziele konzentrieren konnte. Anfangs der 30er Jahr verzeichnete der im Vergleich zu heute noch bescheidene Fremdenverkehr erhebliche Zuwachsraten. Neben den weltlichen und religiösen Anlässen gewann die musikalische Betätigung des Musikvereins in diesem neuen Bereich immer mehr Bedeutung. Die Musikkapelle wurde mit der wachsenden Zahl von Kurkonzerten zum wichtigsten Faktor des Kurprogramms. In diesem Zusammenhang wurde es mehr und mehr als gravierender Mangel empfunden, dass dem Musikverein keine geeignete Stätte für diese Konzerte zur Verfügung stand. Die Kurkonzerte wurden bis in jene Zeit auf freien Plätzen in der Gemeinde, der Witterung ausgesetzt, gegeben. Nachdem die Gemeinde wegen der schlechten Finanzlage nicht helfen konnte, beschloss der Verein, selbst einen Musikpavillon zu erstellen. Der Bauplatz befand sich zwischen der heutigen Pension Birkenbad und dem Sporthaus Hör. In über 2.000 Stunden Eigenarbeit schufen sich die Musiker für ihre Konzerte ein Dach über dem Kopf. In der Endabrechnung kostete der neue Pavillon den Verein ganze 50,- Mark. Alle übrigen Kosten wurden durch Geldspenden finanziert. Fast das gesamte Bauholz wurde von Bauern gespendet und die beteiligten Handwerker hatten auf ihre Löhne weitgehend verzichtet. Somit konnten die Musiker am Pfingstsonntag des Jahres 1932 voller Freude und Stolz über das rundum gelungene Werk das Eröffnungskonzert im neuen Musikpavillon abhalten. In der Generalversammlung 1934 stellten der 1. Vorsitzende Gustav Tritschler und Schriftführer Adolf Petrino sen. Ihre Ämter zur Verfügung. Zum neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Emil Hörmann, Schriftführer wurde Hubert Joos. Im Jahre 1937 erfolgte der Zusammenschluss des seit 1908 bestehenden Streichorchesters „Frohsinn“ mit dem Musikverein Schonach. Der Mitgliederstamm dieses Orchesters bestand hauptsächlich aus der Familie des Schuhmachermeisters Joachim Hör. Ein beweis für die hervorragenden musikalischen Qualitäten dieses Streichorchesters war der 1924 in einem Wettbewerb in Gutach errungene 1a Preis. Auf Anordnung der Nationalsozialisten musste sich das Orchester 1937 auflösen. Durch den Zusammenschluss mit dem Musikverein wurde diesen Musikern jedoch die Möglichkeit eröffnet, unter anderem Namen weiter zu musizieren, um damit die Auflösung zu umgehen. In der Folgezeit trat der Musikverein deshalb mit der Kurkapelle und mit einem Kurorchester auf. Zusammen gaben diese 1937 bereits 24 Kurkonzerte. Im Jahre 1939 wechselte der 1. Vorsitz wieder von Emil Hörmann zu Gustav Tritschler, der bereits von 1930 bis 1934 dieses Amt bekleidete. In diesen Jahren konnte sich die Musikkapelle immer weniger der Verpflichtung entziehen, parteipolitische Propagandaveranstaltungen in Schonach musikalisch zu umrahmen. Durch den 2. Weltkrieg wurde eine Weiterentwicklung der Kapelle verhindert. Erstaunlicherweise kam es aber selbst in den letzten Kriegsjahren nicht zur Auflösung oder Unterbrechung der musikalischen Tätigkeit. Die Begleitung kirchlicher und weltlicher Feiern durch die Musikkapelle konnte immer ermöglicht werden. Leider musste die Kapelle mit zunehmender Dauer des Krieges auch manchen Kameraden einen letzten Gruß ins Grab senden. Nach dem Krieg verwendeten der 1. Vorsitzende Gustav Tritschler und Dirigent Erwin Schwer ihre ganze Kraft für den Wiederaufbau des Vereins und seiner Musikkapelle. Insbesondere Erwin Schwer verstand es ausgezeichnet, die gute Kameradschaft unter den Musikern zu erhalten und zu fördern. Sehr schnell hatte der Verein wieder seine frühere Stärke und ein gutes Leistungsvermögen erreicht. Unvergessen sind aus jener Zeit Musiker wie z. B. Karl Maier, Hubert Joos, Hermann Spinner, Hermann Kuner, Alfred und Augustin Fehrenbach, Emil und Otto Hör, um nur einige wenige zu nennen. Im März 1950 legte Gustav Tritschler sein Vorstandsamt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Er war 15 Jahre lang 1. Vorsitzender und zuvor 3 Jahre Kassier. Gustav Tritschler war ein sehr beliebter und geschätzter Vorstand, der für den Verein und seine Musiker keine Mühen und Arbeit scheute. Die Hauptversammlung, im März 1950, schenkte dem damaligen Ratschreiber Josef Herr das Vertrauen und wählte ihn zum neuen 1. Vorsitzenden des Musikvereins. Das Amt des 2. Vorsitzenden wurde dem bisherigen Schriftführer, Hubert Joos, übertragen. Das im August des gleichen Jahres um ein Jahr verspätet durchgeführte 110jährige Jubiläumsfest brachte dem Musikverein neuen Auftrieb. Durch eine Werbeaktion wurde der Mitgliederstand kräftig erhöht, sodass im Durchschnitt jede zweite Familie in der Gemeinde Mitglied des Musikvereins war. Im gleichen Jahr wurde mit der Anschaffung einer neuen Kleidung für die Musiker begonnen. Ein Großteil der Anschaffungskosten wurde durch Spenden von Freunden und Gönnern des Vereins finanziert. Im Dezember 1950 wurde eigens für die Spender ein Sonderkonzert gegeben, bei dem die Musiker zum ersten Mal die neuen Uniform trugen. Wegen des anhaltenden Zuwachses für die Musikkapelle wurde der Vorhandene Musikpavillon zu klein. Dieser stand zwischenzeitlich nicht mehr an dem Platz, an dem er 1932 von den Musikern erbaut worden war, sondern hatte vermutlich 1937 im alten Kurgarten einen neuen Standort erhalten. Auch die Lösung dieser Aufgabe wurde von den Musikern mit viel Idealismus angegangen. Die Landwirte stellten wiederum das notwendige Holz zur Verfügung, das von den aktiven Musikern im Wald geschlagen wurde. Auch die Gemeinde gab einen Zuschuss. Wie damals im Jahre 1932 erstellten die Musiker auch diesen Pavillon überwiegend in Eigenarbeit. Nach einer Abänderung im Jahre 1955 zur Erzielung einer besseren Akustik wurden die Kurkonzerte in den Sommermonaten bis 1974 dort gegeben. Nach den ersten zwei Amtsjahren konnte der 1. Vorsitzende Josef Herr mit dem neuen Pavillon, der Neuanschaffung von Uniformen und der Generalüberholung des Instrumentariums eine einmalige Erfolgsbilanz vorlegen. Anfangs der 50er Jahre wurde der Schulung des Nachwuchses eine hohe Bedeutung zugemessen. Dieser Aufgabe widmete sich Dirigent Erwin Schwer besonders intensiv. Beim 1. Bundesmusikfest 1953 in Singen konnten Erwin Schwer und die anderen Ausbilder die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten. Die Jungmusiker schnitten beim Wertungsspiel mit der Note „sehr gut“ bis „vorzüglich“ ab. Auf der anderen Seite entstand durch die Aufnahme der Jungmusiker ein neues Problem: Es fehlten dem Verein die notwendigen Instrumente. Ende 1954 wurde deshalb der Beschluss befasst, neue Instrumente zu beschaffen. Erneut wurde an die Bürgerschaft und an die Betriebe der Gemeinde appelliert, der aufstrebenden Kapelle durch Spenden zu helfen. Mit diesen neuen Instrumenten wurde von Dirigent Erwin Schwer eine systematische Fortbildung eingeleitet, die zu einer weiteren musikalischen Hochphase der Kapelle führte. Dies zeigte sich schon an Pfingsten 1958 beim Bundesmusikfest in Karlsruhe, bei dem die Kapelle beim Wertungsspiel in der Oberstufe die Bestnote „hervorragend“ erreichte. Ende Mai 1959 feierte der Musikverein Kurkapelle Schonach in großem Rahmen sein 120jähriges Jubiläum. Mit den Jubiläumsfeierlichkeiten wurde das 4. Verbands-Wertungsspiel verbunden. Die Feierlichkeiten fanden im Festzelt an der Wasserfallstraße statt, nachdem zuvor der Festplatz eingeebnet worden war. Überschattet wurde das Fest durch den Tod des vorgesehenen Festpräsidenten, Bürgermeister Fritz Bernhard. Für den Verstorbenen übernahm Ehrenmitglied Rudolf Kienzler kurzfristig dieses Amt. Im Jahre 1960 feierte unser Nachbarverein, die Kurkapelle Schönwald, ihr 124jähriges Jubiläum. Die Musikkapelle Schonach wirkte dort bei einem Doppelkonzert mit. Zum Abschluss spielte sie den „Großen Zapfenstreich“, bei dem zum ersten Mal die neu angeschafften Fanfaren zum Einsatz kamen. Auf den von einem Förderer des Vereins gespendeten Wimpeln ist das Gemeindewappen aufgestickt. Anstelle der bisher durchgeführten Waldfeste, die oft schlechtem Wetter zum Opfer fielen, veranstaltete der Verein ab 1961 jährlich ein Sommernachts- und Gartenfest im Kurgarten. Im Notfall konnte dort in die Festhalle ausgewichen werden. Wegen des steigenden Finanzbedarfs wurde ab 1964 neben diesem Gartenfest an gleicher Stelle auch noch ein Frühlingsfest veranstaltet. Bei diesen Festen, wie auch früher bei den Waldfesten und Tanzveranstaltungen, wurde mit vereinseigenen Tanzabteilungen oder –kapellen zum Tanz aufgespielt. Ab den 50er Jahren bildeten sich mehr oder weniger selbständige Tanzkapellen teils mit eigenem Namen, die ihre Dienste auch über den Verein hinaus anboten. Dazu gehörten das Combo-Sextett, die Dancing-Boys, die Travellers, die Snoopy’s und die Original Notenquäler. Wegen der vielen Einsätze der Kurkapelle und der damit verbundenen starken Beanspruchung wurde Ende 1962 eine Ersatzbeschaffung für die bereits 12 Jahre alte Uniform notwendig. Die neue Uniform hatte sehr viel Ähnlichkeit mit der alten. Die Jacke war dunkelblau und hatte an den Schultern sogenannte Schwalbennester. Dazu wurden eine schwarze Hose und eine Schirmmütze getragen. Den Grundstock für die Finanzierung bildete der Erlös aus Altmaterialsammlungen der aktiven Musiker sowie Spenden. Aufgrund des angeschlagenen Gesundheitszustandes des Dirigenten Erwin Schwer musste sich der Musikverein Ende 1963 auf seine Nachfolge vorbereiten. Ziel des Vereins war, einen neuen Dirigenten aus den eigenen Reihen aufzubauen. Die Wahl der Aktiven fiel auf Kurt Schmidt, der bereit war sich auf dieses Amt vorzubereiten. Das 125jährige Vereinsjubiläum wurde 1965 wieder im Festzelt an der Wasserfallstraße gefeiert. Höhepunkt war am Sonntagabend der Auftritt der Schwarzwaldmusikanten unter der Leitung von Rolf Schneeebiegl. An Weihnachten 1966 musste Erwin Schwer aus gesundheitlichen Gründen den Dirigentenstab nach fast 37jähriger Tätigkeit endgültig aus der Hand legen. Er war damit genauso lange Dirigent wie der legendäre „Musik-Dold“. Einerseits bescheiden und zurückhaltend, andererseits zielstrebig und, wenn notwendig, energisch, steuerte er mit großen Fähigkeiten die musikalischen Geschicke des Vereins. Seine Aufopferungsbereitschaft und sein Idealismus verdienen höchste Anerkennung, die in der Ernennung zum Ehrendirigenten ihren Ausdruck fand. Selbst aus den Reihen der Musiker hervorgegangen, wusste er welches Potential an Kameradschaftsgeist in dieser Kapelle steckte, und er verstand es, dieses mit viel Feingefühl zu erhalten und zu pflegen. Es sei vorweggeschickt, dass ihm sein Nachfolger Kurt Schmidt gerade in dieser Hinsicht nicht nachstand. In der Generalversammlung 1969 wurde Erwin Schwer für 50ährige aktive Tätigkeit mit der großen Goldenen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet. Gleichzeitig wurde er als erster Musiker des Musikvereins Schonach zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt. Mit dem Weihnachtskonzert 1966 übernahm der damals 26jährige Kurt Schmidt die Stabführung in der Kurkapelle und begleitete die folgenden 25 Jahre den Verein als Dirigent. Zielstrebig und mit viel Musikerherzblut leitete er die musikalischen Vereinsgeschicke, verschrieb sich jedoch zudem auch intensiv der Ausbildung des Nachwuchses. Wenn möglich, griff er auch selbst zur Trompete und spielt zusammen mit seinen Musikern. Sein Markenzeichen, die Zigarre, hatte er immer dabei. Idealisten von seinem Format gibt es nur noch wenige. Am Weihnachtskonzert 1986 wurde Kurt Schmidt durch den Vertreter des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Baar, Herrn Emil Rimmele, für 20jährige Tätigkeit als Dirigent der Kurkapelle Schonach mit der Verbandsehrennadel des Blasmusikverbandes Schwarzwald-Baar ausgezeichnet. Der musikalische Glückwunsch der Musiker mit dem Marsch „Alte Kameraden“ kam von Herzen. 1991 erhielt er nach der Taktstockübergabe an den neuen Dirigenten Helmut Maucher den Titel Ehrendirigent, um sein musikalisches Engagement für den Verein zu würdigen. Aus heutiger Sich ist es wohl einmalig, dass lediglich drei Dirigenten die Kapelle über 100 Jahre hinweg leiteten. Für den Verein war diese Kontinuität von unbezahlbarem Wert. Für die Fasnacht 1967 schaffte sich der Musikverein eine neue Fasnachtsuniform an, die heute noch getragen wird. Die Narrenzunft Schonach steuerte hierzu die Hälfte der Kosten bei. Ein ganz besonderes Ereignis war für die Musiker die Produktion einer Schallplatte, im Mai 1968. Aufgenommen wurde der Jubiläums-Marsch und der St. Triphon-Marsch. Die Platte fand in der Bevölkerung und bei den Kurgästen reißenden Absatz und war damit ein schöner Erfolg. Noch vor der Generalversammlung des Jahres 1969 legte Josef Herr sein Amt als 1. Vorsitzender des Musikvereins nach 19jähriger Tätigkeit nieder. Unter seiner Führung nahm der Verein eine imposante Entwicklung. In seiner Amtszeit wurden Anschaffungen in einem nicht für möglich gehaltenen Ausmaß getätigt. Erinnert sei hier nur an die Ausrüstung der gesamten Kapelle mit neuen Instrumenten und dreimal mit neuen Uniformen. Unter seiner Regie wurden drei Jubiläen erfolgreich durchgeführt und der Pavillon im alten Kurgarten gebaut. Seine Leistungen während fast zwei Jahrzehnten waren für den Verein von unschätzbarem Wert. Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden an Weihnachten 1972 war ein Ausdruck des Dankes und der Anerkennung seiner Verdienste um den Musikverein. Einen Glücksgriff tat der Verein mit der Wahl von Siegfried Kaltenbach zum neuen 1. Vorsitzenden. Er führte den Verein mit viel Geschick und Umsicht. Besonders sein Humor sorgte immer für gute Stimmung unter den Musikern. In seiner Amtszeit erfuhr der „Hörnleberger“ (ein auswendig geblasenes Musikstück, bei dem sich die Musiker in Etappen auf den Boden legen) eine neue Blüte. Dem Anreiz zur Aufführung des Stückes in Form einer Bierspende konnten die Musiker nie widerstehen. Schon 1970 war die acht Jahre zuvor angeschaffte Uniform abgetragen. Mit der Unterstützung der Gemeinde war es möglich, die Musiker neu einzukleiden. Nach dunkelblau entschied man sich nun für eine graue Uniform. Als Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erhielt der Musikverein-Kurkapelle Schonach am 21. März 1971 vom Bundespräsidenten die PRO-MUSIKA-Plakette. Nach achtjähriger Amtszeit musste 1973 für den 2. Vorsitzenden Erwin Hettich ein Nachfolger gewählt werden. Erwin Hettich erfüllte seine Arbeit mehr im Hintergrund, dies aber mit großem Nutzen für den Verein. Insbesondere in der Übergangsphase von Josef Herr zu Siegfried Kaltenbach erwarb er sich große Verdienste. Die Wahl zum neuen 2. Vorsitzenden fiel auf den bisherigen Schriftführer, August Fehrenbach. Neuer Schriftführer wurde Arnold Kuner. Der Besuch des Backfischfestes in Worms, zusammen mit der Trachtengruppe, war im Jahre 1973 der Auftakt zu einigen größeren Musikreisen der Kurkapelle, von denen an anderer Stelle noch die Rede sein wird. Eine Entwicklung, die für die Kurkapelle schon Ende der 20er Jahre ihren Anfang nahm, gewann in den 70er Jahren immer größere Bedeutung. Der stark expandierende Fremdenverkehr verlangte ein immer umfangreicherer werdendes Unterhaltungsangebot für die Gäste. Da Musik und Unterhaltung in weiten Bereichen identisch sind, wurden die Aufgaben der Kapelle auf dem Fremdenverkehrssektor zum Schwerpunkt ihrer musikalischen Tätigkeit. Daraus entwickelte sich schon in den 30er Jahren die Bezeichnung „Kurkapelle“, die jedoch erst viel später in den offiziellen Vereinsnamen aufgenommen wurde. Aus der Aufgabenveränderung wuchsen für den Verein neue Anforderungen. Dazu gehörte zum Beispiel, dass die graue Uniform zwar für festliche Anlässe geeignet war, weniger jedoch für Auftritte im Fremdenverkehrsbereich. Deswegen beschloss der Verein 1973/1974 die Anschaffung einer Schwarzwälder Tracht, bestehend aus roter Weste, schwarzer Hose, einem schwarzen Märschchen anstelle der Krawatte und einem schwarzen Trachtenhut. Später kam dazu noch eine schwarze Trachtenjacke. Mit dem Haus des Gastes und dem Kurpark mit Musikpavillon schuf die Gemeinde bestens geeignete Stätten für Konzerte und Veranstaltungen. Das Frühlingsfest des Musikvereins war 1974 die erste größere Veranstaltung mit Bewirtung im neuen Haus des Gastes. Festwirt Helmut Burger und sein Team, in dem die Musikerfrauen eine tragende Funktion einnahmen, meisterte diese Herausforderung problemlos. Schon einen Monat später wurde am gleichen Ort das 135jährige Bestehen in kleinem Rahmen gefeiert. Auf diese Zeit geht auch eine Freundschaft mit dem Musikverein Bornheim bei Bonn zurück. Zwischen zwei Besuchen der Bornheimer 1973 und 1977 in Schonach lag unser Gegenbesuch (1974). Damit verbunden war ein Auftritt im Haus Baden-Württemberg in Bonn. Einige Musiker aus Bornheim sind bis heute Stammgäste in Schonach. Unvergesslich sind auch zwei Besuche in Lüttringhausen bei Remscheid in den Jahren 1975 und 1977. Dieser Kontakt kam auf Einladung eines langjährigen Kurgastes in Schonach zustande. Bestandteil dieser Reise war auch ein Empfang durch den Oberbürgermeister der Stadt Remscheid. Im Dezember 1975 hatte die Kurkapelle in der Sendung „Treffpunkt Schonach“ des Südwestfunks im Haus des Gastes ihren ersten Rundfunkauftritt. In der Generalversammlung 1976 wurde die aus dem Jahre 1926 stammende Vereinssatzung durch den Beschluss einer neuen Satzung abgelöst. Diese wurde vom damaligen 2. Vorsitzenden August Fehrenbach ausgearbeitet. Durch die Schulhauserweiterung, verbunden mit dem Abriss des mittleren Schulhauses, musste die Kapelle 1978 ihren Proberaum räumen. Als Übergangslösung bis zur Fertigstellung der Vereinsräume im neuen Schulhaus fanden die Proben im Pfarrzentrum statt. Das neue Probelokal, das uns von der Gemeinde im veredelten Rohbau zur Verfügung gestellt wurde, musste von den Musikern in Eigenarbeit ausgebaut werden. Es war ein großes Arbeitspensum erforderlich und die Vereinsfinanzen wurden erheblich strapaziert. Am Ende konnte sich der Verein über ein gelungenes Werk freuen. Mit dem mit viel Holz ausgebauten Proberaum und dem großen Nebenraum für das Vereinsinventar verfügt der Verein über ideale Vereinsräume. Hierfür ist der Verein der Gemeinde zu besonderem Dank verpflichtet. Die Organisation des Umbaus wurde in hervorragender Weise vom 1. Vorsitzenden August Fehrenbach geleitet. Wie schon beim Pavillonbau 1951 machte sich der aktive Musiker Franz Wisser auch bei den Ausbauarbeiten der Proberäume besonders verdient. An dieser Stelle sei noch bemerkt, dass sich die Proberäume bis auf eine kleine Ausnahme während der gesamten Vereinsgeschichte in den Schulhäusern befanden. Nach dieser aufwendigen Baumaßnahme fehlte dem Verein das Geld für die Anschaffung einiger dringend benötigter Instrumente. Wieder einmal trat der Verein an seine Gönner heran, die den Verein nicht im Stich ließen. Die Spendensammlung ergab 20.000,- DM. Konnte mit diesem Betrag im Jahre 1950 noch die gesamte Kapelle mit neuen Instrumenten ausgerüstet werden, reichte er nun nicht einmal für 10 Instrumente. Der bedarf blieb damit akut. In der Hauptversammlung des Jahres 1979 gab Siegfried Kaltenbach das Amt des 1. Vorsitzenden aus Altersgründen ab. Zum Nachfolger wurde der bisherige 2. Vorsitzende, August Fehrenbach, gewählt. Neuer 2. Vorsitzender wurde Edgar Joos. Die Verdienste Siegfried Kaltenbachs um den Musikverein wurden am Weihnachtskonzert 1979 mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden gewürdigt. Dieses Weihnachtskonzert wurde im Übrigen seit 1919 mit nur wenigen Ausnahmen am Stephanstag durchgeführt. 1979 beschlossen die Kapellen der Raumschaft Triberg, jedes Jahr ein Raumschaftskonzert zu veranstalten. Es sollte primär der Förderung der Kameradschaft unter den Musikern der fünf Kapellen dienen. Daneben hat sich dieses Konzert im Laufe der Jahre auch einen hohen musikalischen Stellenwert erworben. 1988 fand das 10. Raumschaftskonzert in Schonach statt. Am Weihnachtskonzert 1981 wurde der damals älteste Musiker das Vereins Fritz Hock von der Gemeinde für über 50jährige aktive Tätigkeit im Musikverein mit der Goldmünze der Gemeinde Schonach geehrt. Im gleichen Jahr beteiligte sich die Kapelle am Bundesmusikfest in Villingen. Inzwischen hatte auch die graue Uniform schon wieder mehr als ein Jahrzehnt, gespickt mit vielen Veranstaltungen, auf dem Buckel. Ihr trauerte niemand nach, als sie durch die heutige blaue Uniform ersetzt wurde. Die Gemeinde honorierte den hohen Beitrag des Musikvereins zum kulturellen Leben in unserer Gemeinde und seine wichtige Funktion im Kurprogramm mit einem Zuschuss von 15.000,- DM. Für die fußballbegeisterten Musiker war der Auftritt der Kapelle im Stuttgarter Neckarstadion ein besonderer Leckerbissen. Beim Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen den 1. FC Köln wurden die Zuschauer bis zum Spielbeginn mit zünftiger Blasmusik unterhalten. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Musiker nicht nur auf musikalischem Gebiet, sondern auch im sportlichen Sektor sehr erfolgreich agierten. Beim Vereinsturnier des Fußballclubs war der Musikverein 1962 der erste Gewinner des Wanderpokals. Dieser Erfolg konnte mehrfach wiederholt werden. Auch beim Jedermannschießen des Schützenvereins sowie bei den Vereinsstaffelläufen des Skiclubs belegte der Musikverein oft erste und vordere Plätze. Nach sechsjähriger Amtszeit als 1. Vorsitzender und nach insgesamt 22jähriger Arbeit in der Vorstandschaft des Musikvereins stellte sich August Fehrenbach nicht mehr zur Wahl. Insbesondere in den 12 Jahren, in denen er 1. und 2. Vorsitzender war, war er ein unermüdlicher Arbeiter für den Verein. In der heutigen Zeit stehen und fallen die Vereine allgemein mit Männern wie August Fehrenbach. Als er 1988 auch noch seine aktive Tätigkeit einstellte, anerkannte der Verein seine verdienstvolle Arbeit mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. In der Hauptversammlung 1985 wurde Manfred Pfaff, der selbst bis 1984 aktiver Musiker war, zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Kaum zwei Monate nach seinem Amtsantritt wurde er mit höchst unerfreulichen Ereignissen konfrontiert, die zu einer großen Belastungsprobe für die Vorstandschaft und den gesamten Verein wurden. Nach dem anfänglichen Schock setzte es sich die Vereinsführung jedoch zum Ziel, die Angelegenheit restlos aufzuklären und möglichst schadlos für den Verein zu regeln. Durch die Bereitschaft aller Beteiligten hierzu, gelang dies unerwartet gut. In dieser heiklen Phase bewährte sich der Zusammenhalt unter den Musikern und das gute Vertrauensverhältnis zwischen Mitgliedern und Vorstandschaft des Vereins. In der Folgezeit machte es sich der Verein zur wichtigsten Aufgabe, das Instrumentarium zu reparieren und, wo notwendig, zu erneuern. In diese Aufgabe rund 50.000,- DM investiert. Im Sommer 1985 wurde die Kapelle nach 1980 zum zweiten Mal nach Miesenbach in die Pfalz eingeladen. Zuvor hatten uns die Miesenbacher 1983 hier in Schonach besucht. Ein Jahr später folgten die Musiker einer Einladung zum Schützenfest der St. Sebastianus-Bruderschaft in Wittlaer bei Düsseldorf. Bei den vielen musikalischen Auftritten kam auch die Werbung für Schonach nicht zu kurz. Besonders eindrucksvoll war der Bummel durch die Düsseldorfer Altstadt. Für das Jubiläumsfest haben sich unsere Freunde aus Wittlaer bereits mit großer Zahl angemeldet. Das gleiche gilt auch für den Sportverein aus Thuine im Emsland, bei deren Sommerfest die Kurkapelle aus Schonach die Hauptattraktion war. In Thuine erlebten die Musiker eine bis dahin nicht gekannte Betreuung. Ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte war ein Engagement nach Bremerhaven. Dort feierten in der Stadthalle rund 2.000 Gäste ein Jubiläum. Die riesige Halle war für die Musiker zunächst ungewohnt und auch der Kontakt zum Publikum gestaltete sich schwierig. Dem half man ab und mischte sich bei der zwischenzeitlich berühmten „Tischmusik“ unters Publikum. Der Erfolg blieb nicht versagt, denn plötzlich war Stimmung in der Halle. Es wurde den Musikern wieder einmal bestätigt, ein guter Botschafter in Sachen Werbung für Schonach gewesen zu sein. Um den Einsatz und die Opferbereitschaft der Musiker und ihrer Frauen mit einer Gegenleistung anzuerkennen, wurden herrliche Ausflüge unternommen. Sie führten 1978 nach Hamburg, 1985 nach Oberjoch und 1988 an den Lago Maggiore. 1990 unternahm man eine große Reise über den Teich, wo die Musiker ein Engagement auf einem Oktoberfest in Kanada erwartete. Die Reise wird für die Musiker bestimmt ein unvergessliches Erlebnis bleiben. 1991 wurde Joachim Müller als Nachfolger von Manfred Pfaff zum 1. Vorsitzenden gewählt. Über 15 Jahre hinweg leitete er mit großem Engagement die Geschicke des Vereins. Unter seiner Feder entstand das neue Musikerlogo, er war der Ideengeber des von 1991 bis 1995 veranstalteten Maienfestes am Schwimmbad sowie des darauf folgenden Gartenfestes auf dem Schulhof der Dom Clemente Schule, welches bei Jung und Alt bis heute großen Anklang findet. Eine wesentliche Änderung trat 1991 ein durch die Aufnahme einer weiblichen Musikerin in die Reihen der Aktiven. Damit gingen die Zeiten der reinen Männerkapelle nach eineinhalb Jahrhunderten dem Ende entgegen, macht doch heute nun der Anteil der Frauen im Verein schon gut ein Drittel aus. 1995 übernahm Michael Kaiser die musikalische Leitung der Kapelle, der selbst aus den eigenen Reihen stammte und mit viel Elan und Ideenreichtum den Taktstock über die nächsten Jahre hinweg schwang. Die Weihnachtskonzerte unter seiner Leitung waren stets ein Erfolg und wurden von den treuen Mitgliedern und Freunden der Blasmusik mit Freude besucht. 1997 wurden der Musikverein nach Köln/Bornheim eingeladen, 2001 reisten die Musiker nach Tschirn nahe der tschechischen Grenze, wo es ein weiteres Mal galt, das musikalische Können unter Beweis zu stellen. Ein tiefes Loch riss 1999 der plötzlicher Tod unseres Ehrendirigenten Kurt Schmidt, der von Jung und Alt ein allseits geschätzter Musikerkamerad war. Zum 160jährigen Jubiläum 1999 gab die Kapelle ein Kirchenkonzert zum Besten, welches auf große Resonanz stieß und deshalb einige Jahre später erneut in Angriff genommen wurde. Einen weiteren Erfolg konnte die Kapelle durch die Teilnahme an einem Marschmusikwettbewerb 1997 in Geisingen verzeichnen, der den Musikern sehr gutes musikalisches Können bestätigte. Andreas Herr begleitete den Verein von 2003 bis 2006 als musikalischer Leiter. Seine ausgeglichene und kameradschaftliche Art wurde von den Musikern sehr geschätzt. Nach seinem plötzlichen und unerwarteten Tod musste der Verein zügig für Ersatz sorgen, da eine große Konzertreise nach Düsseldorf anstand, die bewältig werden musste. Insgesamt war das zurückliegende Vereinsjahr geprägt von vielen Veränderungen und brachte allerhand an Erneuerungen und Erfahrungen. Mit der beinahe einstimmigen Wahl von Karin Bender zur neuen ersten Vorsitzenden traf wohl eine wesentliche Veränderung des Jahres, ja sogar der ganzen Vereinsgeschichte ein. In Frank Fehrenbach fand der Verein 2006 seinen neuen Frontmann und war sehr froh darum, jemanden mit dem nötigen musikalischen Geschick gefunden zu haben - ein sympatischer Musikkamerad, der mit Leidenschaft sein neues Amt ausübte. Aus familiären Gründen trat er jedoch Ende 2007 wieder von seinem Amt zurück. Innerhalb der kurzen Zeit hatte er sehr viel aufgebaut und zu einer großen musikalischen Weiterentwicklung verholfen. Die vielen Ideen werden den Verein wohl auch noch in der Zukunft prägen. Eine wesentliche Veränderung im Jahre 2007 war z.B. ein neuer Termin für das traditionell am Stephanstag stattfindende Jahreskonzert der Kurkapelle. Die Vorverlegung in den November wurde damit begründet, dass die große Terminflut in der Adventszeit etwas entlastet werden sollte und man somit Rücksicht auf Musiker, Zuhörer und auch befreundete Kapellen der Raumschaft nehmen wollte. Ein Nachfolger von Frank Fehrenbach wurde im Frühjahr 2008 in dem langjährigen Vereinskameraden und Posaunisten Berthold Berberich gefunden, der nun mit großer Motivation und neuen Ideen den Verein musikalisch vorantreibt. Die Ausbildung von Jungmusikern war während der gesamten Vereinsgeschichte eine permanente Aufgabe des Vereins. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich von den Dirigenten sowie Musikern aus den eigenen Reihen wahrgenommen. Ihnen ist der Verein zu besonderem Dank verpflichtet, denn die Nachwuchsarbeit ist für den Verein von existentieller Bedeutung. Derzeit hat der Verein die Ausbildung der Zöglinge in die Hände der Jugendmusikschule gegeben, welcher ein hohes Maß an Ausbildungsqualität zugesprochen wird. Erfreulicherweise kann der Verein nicht über Nachwuchsprobleme klagen - derzeit sind 35 Kinder in Ausbildung. Eine Jugendkapelle bietet den Zöglingen nach dem ersten Ausbildungsjahr die Möglichkeit, erste Erfahrungen im gemeinsamen Spiel zu sammeln. Angesichts der vielen Proben, Konzerte und Veranstaltungen gebührt den Partnern und Familien der Musiker ein ganz besonderer Dank für ihr Verständnis und darüber hinaus auch für ihre Mithilfe bei den eigenen Festen. Gerade an den hohen Feiertagen, die jeder gerne mit seiner Familie begeht, fällt es manchmal schwer, den Pflichten eines Musikers nachzukommen. Der Verein besteht derzeit aus 42 aktiven Musikern, 35 Zöglingen, 25 nicht mehr aktiven Ehrenmitgliedern und 327 passiven Mitgliedern. Die Kurkapelle genießt einen außerordentlich guten Ruf und ist insbesondere als Stimmungs- und Unterhaltungskapelle weithin bekannt und begehrt. Die Freude am Musizieren, Zusammenhalt und Kameradschaft sollen auch in Zukunft das starke Fundament bilden, das dem Verein in der Vergangenheit über manche Erschütterung hinweghalf.
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